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Matchbox Diaries Residency

01.08. - 15.08.2015
Matchbox Diaries Residency
Lorsch

Nachkriegsgeschichten, Vorwendegeschichten. Fluchtgeschichten, Ankunftsgeschichten, Dableibgeschichten. Geschichten mit dramatischen Wendungen und Geschichten mit Liebe zum Detail. Würde nur jemand all die Lebensgeschichten aufschreiben, der Alteingesessenen, der Neuhinzugekommenen, der Durchreisenden: Das wäre ein Stadtporträt!

In Lorsch machen die Matchbox Diaries den Anfang einer solchen oral history: Alle Einwohner der Stadt wurden aufgerufen, Menschen aus den verschiedensten Ecken der Gesellschaft vorzuschlagen, deren Leben sie gerne einmal selbst lesen würden. Fünf davon wurden ausgewählt – und mit vier Schriftstellern zusammengebracht, die dann diese Erzählungen zu Papier bringen. So wird in jener Stadt, die den Lorscher Codex aus dem 12. Jahrhundert zu ihren berühmtesten Kulturschätzen zählt und deren UNESCO-geschütztes Klosters alljährlich tausende Touristen anzieht, die Gegenwart anhand von Alltagsbiografien in die Geschichtsschreibung miteinbezogen.

Die beteiligten Autoren – Akos Doma, Marjana Gaponenko, Que Du Luu und Nellja Veremej – sind allesamt Träger des renommierten Chamisso-Preises bzw. des Chamisso-Förderpreises: Diese wichtige Literaturauszeichnung wird an deutschsprachige Autoren verliehen, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind – wie einst Adelbert von Chamisso. Ein Grundmotiv, das auch Matchbox prägt: das Rhein-Neckar-Gebiet als eine Gegend zu zeigen, die historisch immer wieder von starken Migrationszügen verändert wurde, als eine Gegend im dauernden Umbruch.

Die Essays, die in diesen ungewöhnlichen Lorscher Matches entstehen, werden Ende September in einem Lesungs-Parcours von den Autoren gemeinsam mit den literarischen Protagonisten präsentiert – jeweils an Orten, die für die Porträtierten von besonderer Bedeutung sind. So spaziert man von Leben zu Leben, von Ort zu Ort, durch die Stadt, durch die Jahrzehnte.

Akos Doma porträtiert die Erzieherin Jacky Maier (Jahrgang 1970), die auch einen Second Hand-Laden in Lorsch betreibt. Marjana Gaponenko setzt sich mit dem Leben des pensionierten Lehrers Elmar Ullrich (Jahrgang 1939) auseinander, der als Musikforscher im Kloster Lorsch aktiv ist, und schreibt zudem über den Metallbildhauer Jürgen Heinz (Jahrgang 1969), dessen Atelier sich in Lorsch befindet. Que Du Luu bringt die Biographie des pensionierten Einzelhandelskaufmanns Peter Dorn (Jahrgang 1929) zu Papier, der sich leidenschaftlich im Heimat- und Kulturverein engagiert. Nellja Veremej schreibt über die Dolmetscherin Aster Walter (Jahrgang 1971), die sich ehrenamtlich in die Flüchtlingshilfe einbringt.

Literarisches Rahmenprogramm in Lorsch bis 15. August

Am Freitag, den 7. August, wird die Literatur Solo Kabine Premiere feiern. In diesem umfunktionierten Bauwagen werden die Schriftsteller*innen Akos Doma, Que Du Luu und Nellja Veremej für kleine Geschenke Exklusiv-Lesungen abhalten. Die Geschenke wiederum sollen symbolisieren, was für den Verschenkenden das Besondere an Lorsch ist, oder seine Beziehung zur Kommune repräsentieren – zum Beispiel eine Dose Sand vom Lieblingsspielplatz der Kinder, ein Foto des persönlichen Lieblingsplatzes oder ein Blumenstrauß aus dem eigenen Garten.

Zwischen dem 10. und 14. August wird in Lorsch die Literatur Polizei auf Patrouille gehen. Täglich ab etwa 12 Uhr wird ein Literat in einem Polizeiauto durch den Ort fahren und über die Lautsprecheranlage Texte vorlesen.

Wichtiger Bestandteil von Matchbox sind zudem soziale Kunstprojekte, die sich mit orts- und gesellschaftsspezifischen Besonderheiten auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee für Chapter: Escape. In einem Workshop werden die Autorinnen Que Du Luu, Nellja Veremej und Marjana Gaponenko mit jungen afghanischen Asylbewerbern Texte rund um das Thema Flucht erarbeiten. Die dabei entstehenden Geschichten werden, ebenso wie die der fünf Lorscherinnen und Lorscher, Ende September in Lesungen präsentiert.

Durch den großen Anklang, den die Matchbox Diaries in der Lorscher Bevölkerung gefunden haben, wurde eine Schreibwerkstatt ins Leben gerufen, um die Geschichten auch nach Matchbox Diaries fortzuschreiben. Der Chamisso-Preisträger José F. A. Oliver wird am Donnerstag, den 13. August, zwischen 19 und 22 Uhr im Workshop Biografisches Schreiben sein Wissen an sieben Lorscher* weitergeben. Interessierte können sich ab sofort per E-Mail an matchbox(at)m-r-n.com beim Kulturbüro bewerben.

Die abschließende Lesung wird am 27. September ab 16 Uhr in Lorsch stattfinden. Alle Informationen dazu finden Sie hier.

 

Künstlerischer Leiter Matchbox Diaries: Fabian Burstein

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Akos Doma | © Yves Noir
Marjana Gaponenko | © Yves Noir
Que Du Luu | Foto Markus Kirchgesser
Nellja Veremej | © Yves Noir
José F. A. Oliver | © Yves Noir

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mit!
Für das Matchbox-Projekt Matchbox Diaries suchen wir:
  • Unterkünfte für unsere Autoren von 1.8. bis 15.8. und 24.9. bis 27.9.2015 (auch kürzere Zeiträume sind möglich und können individuell mit dem Matchbox-Team abgesprochen werden)
  • Ideen für Orte, an denen man Lesungen in Lorsch organisieren kann
  • Personen, die Lust haben, Autoren zum Essen einzuladen
  • Mithilfe bei der Organisation von Technik
  • Einen Fotografen, der die Teilnehmer von Matchbox Diaries porträtiert

 

Wenn Sie mitmachen wollen, schreiben Sie uns eine E-Mail an matchbox(at)m-r-n.com oder rufen Sie uns an unter 0621 12987-62.