BUILDING CONVERSATION Rhein-Neckar

09.09. - 17.09.2020
BUILDING CONVERSATION Rhein-Neckar
Building Conversation (NL/BE/DE)
Digital

Rund acht Milliarden Wörter soll ein Mensch während seines Lebens nutzen, fünfmal mehr sogar lesen und hören. Im Schnitt nutzen wir täglich 4 400 Sätze in 21 Gesprächen. Unsere Kultur basiert auf Konversation und Sprache. Aber wie sprechen wir? Wie gehen wir mit Wörtern um? Wann schenken wir der Art und Weise Beachtung, wie wir den Menschen in unserer Umgebung begegnen?

Genau darum geht es bei dem vom gleichnamigen internationalen Künstler*innenkollektiv entwickelten Format Building Conversation – um die Kunst, miteinander zu sprechen. Den Rahmen dafür bildet ein Repertoire verschiedener angeleiteter Dialoge, bei denen es keine Schauspieler*innen und kein Publikum gibt. Ein Setting mit wenigen Regeln, inspiriert von Kommunikationstechniken aus aller Welt – von den Inuit und Maori bis hin zu Theorien aus der Quantenphysik –, lädt dazu ein auf überraschende, intensive und vielfältige Weise miteinander in Kontakt zu kommen.

Bereits beim Demokratiefestival HAMBACH! 2018 zu Gast in Neustadt an der Weinstraße kehrt das Format an der Schnittstelle von Theater und Diskurs zurück in die Metropolregion Rhein-Neckar und wird hier über einen mehrjährigen Zeitraum in verschiedenen Gemeinden umgesetzt – von jungen Bewohner*innen, die das internationale Format in einem Workshop kennenlernen und im Anschluss als Guides durch die verschiedenen Performances führen.

Den Auftakt macht zunächst eine digitale Reihe von Conversations, die das Künstler*innenkollektiv über die pandemiebedingte Veranstaltungspause erarbeitet hat: Das (un)mögliche Gespräch, Digitale Stille und Ferne Gedanken erforschen auf innovative Weise was es bedeutet, einander in diesen Zeiten zu begegnen.

(Un)mögliches Gespräch über die Zukunft / Impossible Conversation on the Future
Wie lässt sich über die Zukunft sprechen? Wie lassen sich Bilder von Dingen versammeln, die es noch gar nicht gibt? (Un)mögliches Gespräch über die Zukunft ist inspiriert von den Jesuiten, die eine Gesprächsmethode zur Diskussion abstrakter Konzepte entwickelt haben. Das Gespräch beinhaltet eine kollektive Entschleunigung und die Verknüpfung persönlicher Ansichten durch Schreiben, Lesen und Sprechen.

Digitale Stille / Digital Silence
Bei Digitale Stille spielen die Teilnehmenden mit ihrer eigenen An- und Abwesenheit –  in ihren Räumen und im Web – , auf der Suche nach einem dritten Raum, einem hybriden Raum, der sowohl physisch als auch virtuell ist. „Wo bin ich, wenn ich mich sowohl in meinem Raum als auch auf dem Bildschirm befinde? Und wo seid ihr?“ Digital Silence verbindet Räume und Menschen in einem großen mehrdimensionalen Wohnblock, zwischen Bausteinen und Pixeln schwebend, weder anwesend noch abwesend.

Ferne Gedanken / Distant Thoughts
Ferne Gedanken lädt die Teilnehmenden dazu ein, sich die Kontaktaufnahme zu ihnen unbekannten Menschen genau anzuschauen. Ferne Gedanken ist ein Telefongespräch für zwei Personen, die sich nicht kennen. Sie folgen einem Skript, in dem ein Teil des Gesprächs vorgegeben ist, das aber vor allem viel Raum für eigene Worte und Gedanken lässt. Es dient als Stütze, fordert die Gesprächspartner*innen aber zugleich heraus, und ermöglicht eine ungewöhnliche Begegnung zwischen Fremden.

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TERMINE UND ANMELDUNG

TERMINE

Die Teilnahme an den Gesprächen ist kostenlos und erfolgt über die Plattform Zoom bzw. via Telefon.
Die Anmeldung zu den einzelnen Veranstaltungen erfolgt über die Website von Building Conversation. Nach der Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigungsmail mit weiteren Informationen.

MI 09.09.20, 19:00 Uhr (Dauer ca. 2 Stunden)
(Un)mögliches Gespräch über die Zukunft / Impossible Conversation on the Future
Sprache: Englisch
Anmeldung hier.

DO, 10.09.20, 19:00 Uhr (Dauer ca. 1,5 Stunden)
Digitale Stille / Digital Silence
Sprache: Englisch
Anmeldung hier.

SO 13.09.20, 14:00 Uhr (Dauer ca. 30-45 Minuten)
Ferne Gedanken / Distant Thoughts
Sprache: Englisch oder Deutsch (Auswahl möglich)
Anmeldung hier.

MI 16.09.20, 19:00 Uhr (Dauer ca. 2 Stunden)
(Un)mögliches Gespräch über die Zukunft / Impossible Conversation on the Future
Sprache: Deutsch
Anmeldung hier.

DO, 17.09.20, 19:00 Uhr (Dauer ca. 1,5 Stunden)
Digitale Stille / Digital Silence
Sprache: Deutsch
Anmeldung hier.

 

ARTIST STATEMENT

Wo sollen wir anfangen

Niemand weiß, wie das geht. Alles ist eine Probe. Das Leben ist eine einzige große Improvisation. Mit Building Conversation feiern wir das Experiment und begrüßen die Übung. Sie sind herzlich eingeladen, sich uns anzuschließen. Tauchen wir ein in die Ungewissheit, in das Noch-Unbekannte. Ein kollektiver freier Fall – in die Zukunft.

Seit mehreren Jahren erforschen wir mit Building Conversation die Art und Weise wie wir miteinander sprechen und wie wir miteinander sprechen können. Diese Forschung war nie dringlicher. Wie reden wir aktuell miteinander? Und wie wirken sich social distancing und der Mangel an körperlichem Kontakt auf unseren Umgang miteinander aus? Drängt uns das weiter auseinander oder fördert es eine neue Art von Nähe, von Verbundenheit? Und inwiefern beeinflusst der virtuelle Raum unser Sprechen und Beisammensein?

Wir wechseln zwischen dem Hyperlokalen und dem Megaglobalen: zwischen unseren Wohnzimmern und der globalen Abschottung. Vereint uns das oder legt es vielmehr unsere Unterschiede offen? Für einige ist die Quarantäne ein willkommener Moment der Ruhe und Besinnung, für andere eine physische Unmöglichkeit. Für einige gibt es (Gesundheits-)Versorgung, aber nicht für alle. Wie kann die gegenwärtige Krise zu einer echten Solidaritätsübung werden?

Unter dem Slogan "Wir stecken da zusammen drin, aber nicht alle gleichermaßen" („We are in this together, but not one and the same“) von Rosi Braidotti entwickeln wir das Programm Where Should We Begin. Mit sowohl neuen als auch bereits bestehenden Arbeiten betrachten wir unsere gegenwärtige Realität und denken gemeinsam über die kommenden Schritte nach. Wir entwickeln performative Gespräche für das digitale Umfeld und bereiten uns auf die Zeit vor, in der wir uns persönlich treffen können – wenn auch mit einem Abstand von 1,5 Metern. Wie treffen wir uns jetzt, wie dann? Wie stellen wir sicher, nicht in die alte Normalität zurückzufallen? Und wie können wir reflektieren, was uns passiert ist?