Orangenzimmer

13.03. - 07.10.2017
Orangenzimmer
Irina Ruppert (DE)
Dannstadt-Schauernheim

Nirgendwo sonst wird so intensiv Gemüse angebaut wie in der Vorderpfalz, dem „Gemüsegarten Deutschlands“. Zwiebeln, Salate, Sellerie, Möhren, Petersilie, Porree, Radieschen – die Felder werden ganzjährig im Akkord bestellt und ernähren längst nicht mehr nur die Region. Der Pfalzmarkt, eine Vermarktungsgenossenschaft von 1.600 Gemüsebauern der Region, vertreibt die Ernten über deutsche Landesgrenzen hinaus. Einer der größten Produzenten von verzehrfertigen Lebensmitteln, sogenanntem Convenience Food, liefert abgepacktes, bereits gewaschenes und geschnittenes Gemüse aus der Pfalz an Fluggesellschaften, Supermärkte und Verkäufer in der ganzen Welt.

In Dannstadt-Schauernheim beginnt die Erntesaison im März mit Frühlingszwiebeln. Landwirtschaft spielt auch hier eine wichtige Rolle für die Identität vieler Einheimischer, die riesigen Tore zu den früheren Höfen der Bauersfamilien prägen das Bild der Gemeinde. Doch die Bedeutung der Landschaft in Dannstadt-Schauernheim hat sich verändert: Viele Bauernhöfe sind in den letzten 30 Jahren verschwunden oder wurden durch große landwirtschaftliche Produktionsbetriebe ersetzt. Der direkte Verkauf von Kartoffeln, Zwiebeln und eingelegten Gurken findet kaum noch statt, nur vereinzelte Hofläden gibt es noch. Während die Felder in der Nachkriegszeit vom ganzen Dorf gemeinsam bestellt wurden, kamen wie überall in Deutschland über die Jahre überwiegend Saisonkräfte aus Polen, später aus anderen osteuropäischen Ländern in die Region. Mittlerweile stammen etwa 70% der temporären Arbeitsmigranten aus Rumänien und Bulgarien.

Auch in Dannstadt-Schauernheim arbeiten während der Erntezeit zum Teil ganze osteuropäische Dörfer für die dort angesiedelten Landwirtschaftsbetriebe und das schon seit über zehn Jahren – dennoch bleiben sie seltsam unsichtbar. Was wissen wir über die Erzeugung unserer Nahrung auf den Feldern vor unserer Haustür? Was über die Menschen, die dort Sommer für Sommer ackern? Wie haben die landwirtschaftlichen Veränderungen die Identität der Region, die Heimat der Bürger von Dannstadt-Schauernheim, geprägt? Und was bedeuten sie für die Saisonarbeiter, die ihre Heimat Jahr für Jahr verlassen?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen wird sich die Fotokünstlerin Irina Ruppert intensiv mit der Geschichte und Gegenwart Dannstadt-Schauernheims auseinandersetzen. Ab März 2017 wird sie Feldforschung betreiben und mit den Menschen in der Gemeinde arbeiten und leben.

Weitere Informationen und Neuigkeiten zu dem Projekt auf Facebook: www.facebook.com/Matchbox.Orangenzimmer


ÜBER IRINA RUPPERT
Irina Ruppert wurde 1968 in Aktjubinsk/Kasachstan geboren. Ihre Werke basieren auf intensiven Recherchen, bei denen sie sich insbesondere für Menschen interessiert, deren Biografien durch Migration geprägt sind: Heimat, Herkunft und Identität sind die Leitmotive ihrer künstlerischen Arbeit. Osteuropa, Russland und Kasachstan bilden bislang die geografischen Schwerpunkte. Irina Ruppert lebt als freie Fotografin in Hamburg, wo sie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften unterrichtet.

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Historische Aufnahme aus Dannstadt-Schauernheim | Foto: Else Härtel

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Für die Recherchen zu ihrem Matchbox-Projekt sucht Irina Ruppert nach Fotografien von Dannstadt-Schauernheim, die vor 1990 entstanden sind und die die Landschaft in und um die Gemeinde abbilden und/oder Landwirtschaft bzw. Feldarbeit zeigen.

Digitale Fotos können per E-Mail an matchbox(at)m-r-n.com geschickt werden. Analoge Aufnahmen können zu den allgemeinen Öffnungszeiten im Rathaus von Dannstadt-Schauernheim abgegeben werden. Wünschenswert ist die Angabe der Kontaktdaten und eine Kurzbeschreibung des Bildes – ein entsprechender Kontaktbogen liegt im Rathaus aus (Ort: Bürgerbüro im Rathaus, Am Rathausplatz 1, 67125 Dannstadt-Schauernheim; Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 8 bis 12 Uhr; Dienstag: 14 bis 18 Uhr; Mittwoch: 15 bis 18 Uhr).